danach

Tanzperformance für vier Tänzerinnen von Golde Grunske

Fotogallerie „danach“ (Cottbus 2009), Fotos G. Gorgas und Matthias Zeller

Eine Choreografie zum Thema: Die Zeit nach der Entlassung aus dem ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau (1964-1989) bis heute.

Die Tanzperformance „danach“ untersucht anhand von vier unterschiedlichen Biografien die Zeit nach der Entlassung aus dem ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau bis heute.
Das Thema „Geschlossener Jugendwerkhof Torgau (1964-1989)“, welches bereits in der Tanzperformance „Schocktherapie“ im Juni 2008 aufgegriffen wurde, soll mit der aktuellen Produktion weitergeführt und zum Abschluss gebracht werden.

Die Choreografie untersucht den Weg der persönlichen Aufarbeitung, der die Erinnerung an Demütigung und Misshandlung immer wieder aufleben lässt und in den vier betrachteten Biografien ganz unterschiedlich verläuft. Dennoch wächst eine innere Verbindung zwischen den vier Tänzerinnen, die durch ihre Intensität eine gegenseitige Abhängigkeit entstehen lässt.

Die Choreografie beschäftigt sich unter anderem mit den Fragen:

Welche Macht haben die persönlichen Akten und Dokumente aus der Zeit vor 1989, die in ihrer Wortwahl an die beklemmende Zeit der Einweisung erinnern und welche Wirkung haben sie auf den Aufarbeitungsprozess? Wie schnell werden geschriebene Worte ein Teil Deiner Geschichte und können Dich jederzeit wieder einholen?

Wie wurde angestaute Aggression, entstanden durch Demütigung und Misshandlung, nach der Entlassung „aufgefangen“, wie gehen die Betroffenen heute damit um? Wie wichtig ist menschliche Wärme, nach einer Zeit ohne jede Berührung?

Inwieweit ist eine persönliche Aufarbeitung überhaupt möglich, ohne jedes Mal in einen lähmenden Zustand zu verfallen? Wie groß muss der innere Wille sein, um dem ständigen „Einknicken“ stand zu halten? Welche Kraft muss aufgebracht werden, sich immer wieder aufrichten zu können? Ist die persönliche Aufarbeitung womöglich nur durch Unterstützung Anderer möglich?

Inwieweit sind die traumatischen Erfahrungen aus der Zeit der Einweisung noch heute präsent, welche Spuren haben sie hinterlassen?

Warum haben Betroffene nach wie vor Angst, sich der Aufarbeitung zu stellen?

Die Produktion wurde gefördert von der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“.

Konzeptidee und Choreografie: Golde Grunske
Tanz: Juliane Bauer, Anne Brinkmann, Doreen Heidrich, Bettina Paletta
Violine: Nicolle Dürschmid
Licht: Ronald Scheurich
Tonschnitt: Falk Hartmann

Uraufführung: 26.06.2009 im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus

Weitere Aufführungen:

  • Januar 2010, Heinirch-Böll-Stiftung Berlin
  • April 2010, Dresden (Theaterhaus Rudi)
  • April 2010, Potsdam (T-Werk), gefördert mit Mitteln des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg
  • Mai 2010, Zwickau (Theater in der  Mühle)
  • 16.6.12, Cottbus, TANZwerkstatt (mit Zeitzeugengespräch)


Material:

Tanzgold-Reihe

Die Veranstaltungsreihe „TANZgold“ wurde im Februar 2010 initiiert von Magdalena Werhun (freie Tänzerin und Tanzpädagogin, Cottbus) und Golde Grunske (freie Choreografin, Cottbus) und fand in regelmäßigen Abständen bis 2012 statt. In Abständen von 3 bis 6 Monaten wurden Arbeitsergebnisse und Choreografien öffentlich präsentiert. Inhaltlich war die Reihe offen für alle Ansätze des professionellen Tanzes. Die Idee dieser Veranstaltungsreihe war, einen Raum für Zeitgenössischen Tanz (in all seiner Vielfalt) zu schaffen und dem Cottbuser Publikum nahe zu bringen. Veranstaltungsort war das Mangold.

Rezensionen

Fotogalerie TANZgold, Fotos Marlies Kross

Anläßlich einer TANZgold-Veranstaltung hat der Lyriker und Literaturwissenschaftler Jürgen Israel zwei Gedichte geschrieben. Eines ist hier zu lesen, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Erwartung
            zu tanzstücken von Golde Grunske und Magdalena Werhun

Als Jesus in den himmel aufgefahren war,
standen die jünger und sahen ihm nach
als das Flugzeug abgestürzt war,
fanden die rettungsmannschaften
an der absturzstelle
hunderte ferngläser
für jeden trauernden eins.
Alle gläser schwarz
zum blick in die sonne.
                                       von Jürgen Israel